Benjamin Blümchen in Not

Für die meisten Menschen gehört der Elefant zu den sympathischsten Tieren überhaupt – und das nicht erst durch Benjamin Blümchen und Dumbo. Vielleicht durch seine imposante Größe von bis zu 3,30m und seiner majestätischen Erscheinung, gepaart mit einem ruhig wirkenden Wesen ist er der Liebling vieler Kinder und Erwachsener. Benjamin Blümchen oder Dumbo waren für viele der erste Kontakt zu den gelassen wirkenden Dickhäutern, später kam das Staunen über die Geschicklichkeit und Lernfähigkeit der sanften Kolosse in Zirkus und Zoos (leider) dazu – und das, obwohl in Gefangenschaft bis zu 30% der Gehirnleistung verloren geht. So prägten und begeisterten diese Tiere Millionen von Menschen rund um den Globus. Umso unverständlicher ist es, dass die doch so beliebten Elefanten nach wie vor zu wenig Schutz genießen und die Ausrottung ihrer ganzen Art nicht auszuschließen ist: Benjamin Blümchen in Not!

1977, also im Entstehungsjahr von Benjamin Blümchen, stand es um die Population der frei lebenden Dickhäuter mit geschätzten 1.200.000 Tieren noch relativ gut. Heute wird der weltweite Bestand auf lediglich 350.000 Elefanten geschätzt, Tendenz abnehmend.

Vor allem wegen des schwunghaften (Schwarz)Handels mit Elfenbein werden jedes Jahr etwa 35.000 Elefanten getötet, was in etwa 96 (!) pro Tag wegen ihrer Stoßzähne getöteten Elefanten entspricht – einer alle 15 Minuten. Während Sie diesen Artikel lesen, muss also mindestens ein Elefant sein Leben lassen.

Obwohl der Elfenbeinhandel 1989 durch die internationale Staatengemeinschaft weltweit verboten wurde, gibt es seit 1999 wieder viele Ausnahmen, die einen eingeschränkten Handel wieder möglich machen, wenn das Elfenbein vor 1989 erworben wurde oder das Tier eines natürlichen Todes starb. Durch Bestechungen und Korruption entstand auf Grundlage dieser ‘Ausnahmeregelungen’ ein riesiger Schwarzmarkt für Stoßzähne von Elefanten und Hörnern von Nashörnern – trotz Überwachung! In der Praxis ist es nach wie vor kaum möglich, legales Elfenbein von illegalem zu unterscheiden.

Wissenschaftlich ist seit langer Zeit gesichert, dass zum Beispiel das Horn eines Nashorns genau wie unsere Fingernägel hauptsächlich aus Keratin besteht und keinerlei medizinisch wirksame Stoffe enthält. Dennoch sagt man den Hörnern Wunderkräfte wie Potenzförderung oder gar Krebsheilung nach. Skrupellose Händler nutzen den in Afrika und Asien nach wie vor weit verbreiteten Aberglauben der Menschen aus, um zu horrenden Preisen wirkungslose Pülverchen aus zerstoßenem Horn zu vertreiben.

Dank der weit verbreiteten Armut gelingt es darüber hinaus leicht, Menschen für die erbarmungslose Jagd auf die Dickhäuter zu rekrutieren. Und so töten nach wie vor mit modernem Kriegsgerät wie Schnellfeuer-Gewehren und Handgranaten aufgerüstete Wilderer tausende Tiere – und leider oft auch Wildhüter. Auch wenn einige Staaten in Afrika inzwischen den Handel mit Elfenbein komplett untersagt haben und Wilderer verfolgen, verhaften und hart bestrafen, bleibt noch viel zu tun. Neben totalem Handelsverbot ist vor allen Dingen Aufklärungsarbeit erforderlich, um die Nachfrage auf Dauer zu minimieren. Darüber hinaus müssen auch die Erwerber von Elfenbein vor Gericht gestellt werden.

Um auf die negative Entwicklung der Elefanten-Populationen aufmerksam zu machen, fand am letzten Samstag, den 7. Oktober 21017, der ‘global elephant and rhino march‘ am Berliner Brandenburger Tor statt, an dem sich auch unser Verein mit seiner Aktionsgruppe beteiligte.

Die Initiatorin hielt Redebeiträge, es wurden Unterschriften gegen Wilderei und Elfenbeinhandel gesammelt und mit Hilfe von Bannern und Plakaten allgemein auf die grausame Elefanten- und Nashorn-Jagd aufmerksam gemacht. Als besonderes Highlight wurde ein Lichterelefant aufgestellt, um ein Signal der Hoffnung zu setzen, dass sich auch nachfolgende Generationen nicht nur an Benjamin Blümchen erfreuen können, sondern auch an einer gesunden Population von Dickhäutern in freier Wildbahn. Wenn schon auf Nashörner und Elefanten geschossen werden soll, dann mit den Kameras von Touristen, deren Geld den Schutz der Tiere in der Region sichert und deren Anwesenheit mehr Menschen Arbeit und damit Einkommen sichert, als die Wilderei. Zwar ist Afrika weit, dennoch war es den Veranstaltern wichtig, gerade am Regierungssitz der wirtschaftsstärksten Nation innerhalb der EU ein Zeichen zu setzen. Deutschland kann innerhalb der EU Einfluss geltend machen wie Europa innerhalb der Vereinten Nationen, um den Elfenbeinhandel weltweit zu verbieten und den Besitz zu ächten.

Aktuell sieht es leider anders aus. In einem Positionspapier der EU zum Thema Elfenbeinhandel heißt es wörtlich: “Die Forderung nach einem generellen Verbot scheint nicht berechtigt.”

Wie lange möchte die EU warten, bis ein generelles Verbot gerechtfertigt ‘erscheint’? Bis nur noch drei Exemplare übrig sind wie im Fall des afrikanischen westlichen Spitzmaulnashorns, dass im Jahr 2013 offiziell als ausgestorben bezeichnet wurde und nur noch drei (!) überlebende Exemplare zählt, darunter ein fortpflanzungsfähiges Männchen?

Die Teilnehmer der Veranstaltung jedenfalls bekamen viel Zuspruch von Passanten und Touristen, die sich nahezu einstimmig ebenfalls gegen die Ausrottung von Elefanten, Nashörnern und anderen Wildtieren waren. Offenbar ist bei den Menschen ‘draußen’ die Wahrnehmung eine andere als die in Brüssel (und Berlin). Wir werden weiter unermüdlich über dieses blutige Geschäft aufklären und fordern die Aufhebung der unsinnigen Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Elfenbein und damit das Verbot jeglichen Handels sowie das Ächten des Besitzes von Elfenbein.

Eine empfehlenswerte Dokumentation zum Thema finden Sie auf YouTube.

Weitere Bilder der Veranstaltung können auf Flickr betrachtet werden.

Wer mehr tun möchte, sollte eine entsprechende folgende Petition der Organisation ‘Change’ unterschreiben!