Wir haben Wiesenhof satt

Der Verein ‚Aktiver Tierschutz Berlin e. V.‘ lehnt Tierquälerei in jeder Form und die unfreiwillige Tötung eines jeden Tieres vehement ab. Aus diesem Grund beteiligte sich der Verein, vertreten durch viele Mitglieder, am Samstag, den 9. September 2017 am Protest gegen Wiesenhof in Königs Wusterhausen, zu dem die Initiative ‚Wir haben es satt‘ aufgerufen hatte.

Zum Hintergrund der Demonstration einige Informationen zum Nachdenken:

Wer sich eingehend mit Hühnern beschäftigt hat, weiß es bereits: Hühner sind faszinierende intelligente und sehr soziale Tiere. Sie können Formen und Farben auseinanderhalten und schon Küken sind in der Lage zu zählen und zu rechnen, all das ein Beweis enormer kognitiver Fähigkeiten. Von Hühnern sind über 30 verschiedene Lautäußerungen bekannt und noch heute beschäftigen sich Soziologen mit der sehr sensiblen Pickordnung von Hühnergruppen.

Als man vor 8.000 Jahren in China anfing, die Tiere zu domestizieren, schliefen Hühner in Freiheit noch auf Bäumen und verbrachten den Tag mit ihrer Hauptbeschäftigung, dem Scharen und Picken. Zu Beginn der Domestizierung hätte noch niemand für möglich gehalten, welches Leid Hühnern (und anderen Tieren in der ‚industriellen Produktion‘) heute widerfährt.

„Im Zuge der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert hat sich die Gesellschaft und Wirtschaft Europas grundlegend verändert. Auch in der Landwirtschaft gab es einen enormen Produktivitätsanstieg bei deutlich weniger Erwerbstätigen. Fortschritte in Technologie und der Züchtung von Nutzvieh ermöglichte immer größeren Bevölkerungsgruppen den regulären Zugriff auf Fleisch und Tierprodukte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Hauptphase der industriellen Landwirtschaft in Europa ein, die in den USA schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu spüren war. Auf der einen Seite handelt es sich dabei um einen tiefgreifenden Strukturwandel durch agrartechnischen Fortschritt, andererseits ist der Prozess mit einer Vielzahl von Folgeproblemen behaftet, die mit Begriffen wie Agrarfabrik, Agribusiness oder Agrarindustrie assoziiert werden. (Quelle Wikipedia)“

„Der Begriff „Massentierhaltung“ wurde in den 1970er Jahren vom Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek für die Käfighaltung von Legehennen als Synonym für eine schlechte Tierhaltung geprägt. (Quelle Wikipedia)“

Die Nachfrage an Billigfleisch, also an geschlachteten Hühnern, nimmt weltweit zu und hat sich in den letzten 15 Jahren sogar mehr als verdoppelt. Dies konnte erst durch sogenannte Hybridzuchten erreicht werden, die Ende der 50er Jahre entwickelt wurden.

„Bei der Hybridzüchtung handelt es sich um ein spezielles Züchtungsverfahren, vor allem bei Schweinen, Geflügel und in der Pflanzenzucht (z. B. Mais); dabei werden z. T. mehrere Generationen lang durch Inzucht entstandene Blutlinien miteinander gekreuzt. Das Ergebnis ist eine Hybride, bei der der Effekt der Heterosis optimal ausgenutzt wurde (Heterosiszucht). Die Hybridzucht ist so kompliziert geworden, dass sie nur noch von Gesellschaften oder Industrien durchgeführt werden kann. Die Hybriden (F1-Hybriden) entsprechen dem Züchtungsziel (Legeleistung, Fruchtbarkeit, Wüchsigkeit, Gesundheit u. a.) in hervorragender Weise; da ihre Eigenschaften aber nicht vererbbar sind, müssen sie von Generation zu Generation neu aus den Ausgangskreuzungen gewonnen werden. (Quelle wissen.de)“

Aktuell sind es weltweit etwa fünf große Hühnerzucht-Betriebe, die das Monopol auf Hybridzucht haben. Hier spezialisierte man sich auf immer effizienter ‚produzierende‘ Legehennen und Masthühner – mit grausamen Auswirkungen:

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Mastdauer auf 6 Wochen halbiert, wobei sich das Gewicht der Hühner verdoppelte. Dieser extreme biologische Eingriff bleibt nicht ohne Folgen: Obwohl das Leben eines Masthuhns nur etwa 42 Tage dauert, überleben pro Jahr etwa 20 Millionen Tiere nicht einmal diese kurze Zeitspanne bis zur Schlachtung.

Für diese ‚Turbo-Mästung‘ wurde den Hühnern das Sättigungsgefühl weggezüchtet. Die Tiere wachsen dabei so schnell, dass das Wachstum der Organe nicht mithalten kann, was oft zu einem multiplen Organversagen führt. Viele Tiere können sich aufgrund des eigenen Körpergewichts nicht mehr bewegen oder gar aufrichten, was dazu führt, das sie auf dem Boden kauernd elend verdursten.

Die intelligenten und sozialen Tiere vegetieren auf durch Ammoniak verätzten Böden, wobei ihnen eine Bodenfläche von gerade einmal der Größe eines DIN-A5-Blattes zur Verfügung steht, Tageslicht bekommen sie nie zu sehen. Diese Form der Tierhaltung ist Tierquälerei und ein eindeutiger Verstoß gegen das Tierschutzgesetz:

Das Tierschutzgesetz (TierSchG) in Deutschland ist als Gesetz zu dem Zweck erlassen worden, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“ (§ 1 Satz 1). Der Grundsatz des Tierschutzgesetzes lautet: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen“ (§ 1 Satz 2). (Quelle Wikipedia)

Ein Beitrag der ARD aus dem Jahre 2011, der auf YouTube zu sehen ist, zeigt exemplarisch, wie Hühner bei Wiesenhof gehalten wurden – und in der Zwischenzeit hat sich nichts grundlegend geändert.

Tag für Tag aus werden bei Wiesenhof 240.000 Tiere geschlachtet, die unter den beschriebenen Umständen gehalten werden. Tag für Tag werden tierische Produkte aus tierquälerischer industrieller ‚Produktion‘ gekauft und verzehrt und jeder, der diese ‚Produkte‘ konsumiert, ist an diesen Umständen mitverantwortlich – und kann sie ändern. Die wirkungsvollste Maßnahme ist die Umstellung auf pflanzliche Produkte und die Aufklärung derjenigen, die von den oben beschriebenen Zuständen in der industriellen ‚Fleisch- und Eier-Produktion‘ nichts wissen (wollen). Die freiwillige Umstellung auf die inzwischen vielfältigen und ähnlich schmeckenden Ersatzprodukte und die Unterstützung anderer bei diesem Schritt ist wirksamer, als jede halbherzige Maßnahme der Gesetzgeber unter massiver Einflussnahme einer effektiven Lobbyarbeit.

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Der Verein ‚Aktiver Tierschutz Berlin‘ unterstützt die Bildung einer mächtigen ‚Lobby‘ aus aufgeklärten VerbraucherInnen zum Schutz aller Mitgeschöpfe, die ihre moralische Verpflichtung gegenüber dem Leben ernst nehmen.